19. September 2017 Gesellschaft | Manuela Bach | 4 Kommentare

Selfie, Selfie in der Hand…

Selfie, Selfie in der Hand – wer ist die Schönste, Beste, Erfolgreichste, im ganzen Land?

Und so weiter und so fort. Wer ist der Glücklichste, Zufriedenste?

Kann man das auch fotografieren? Wenn ja, wie?

Oder tauchen diese Menschen gar nicht in den Social Media Plattformen auf?

Das World Wide Web gleicht in einiger Hinsicht einem Maskenball.

Was zeige ich, wie sollen mich die anderen sehen? Natürlich, Maskerade gab es schon immer, aber nicht in solch einer Reinkultur und nicht in dem Ausmaß.

Apropos Ausmaße, sie sind mittlerweile immens was die Selbstdarstellung anbelangt. Die Frage „Wer bin ich?“, hat gar nicht mehr die nach innen gerichtete Dimension. Sie wird nach außen getragen, leider oftmals nur nach außen. Werden die Selfie – Generationen auch mit innen konfrontiert? Wenn ja, wird auch das sichtbar gemacht? Wie kann ich fotografieren, dass ich wirklich glücklich bin? Muss eine Emoji herhalten, sonstiges Beiwerk oder werden die Momente des inneren Glücks doch den Followern verschwiegen und nur mit sich selbst und den Echtfreunden geteilt?

Das alles sind Fragen, die ich mir von Zeit zu Zeit stelle. Auch ich bin mittlerweile in den sozialen Netzwerken sichtbar, aber bin das ich?

Wieviel von mir und welchen Bereich mache ich sichtbar?

Wie sieht es bei Ihnen aus? Was zeigen Sie wirklich?

So kam mir der Gedanke des Maskenballs. Dort sucht man sich seine Verkleidung und stimmt seine Bewegungen und das Verhalten darauf ab. Doch ein Maskenball findet in einer begrenzten Zeit statt, die Rolle ist darauf begrenzt.

Die Show im www läuft tagein tagaus und bei vielen mehrmals täglich.

Wer sind sie wirklich, die mir die Facette von sich zeigen? Oder liegt es am Betrachter, klar für sich immer wieder zu realisieren, dass wir nur einen inszenierten Teil von jemanden gezeigt bekommen, dessen Follower oder f-Freund wir sind? Nicht nur der Sender, auch der Empfänger, muss sich das immer wieder ins Gedächtnis rufen.

Was passiert, wenn man im wirklichen Leben aufeinandertrifft? Ist dann Enttäuschung vorprogrammiert, oder ist die Überraschung im positiven Sinne groß? Driften wir dahin ab uns gar nicht mehr real gegenüberstehen zu wollen, um der www Rolle gerecht zu bleiben?

Ach was geht mir da eine Vielfalt von Fragen durch den Kopf.

Ist die ganz junge Generation, die jetzt 14- jährigen, vielleicht ganz anders unterwegs oder werden sie sich mit Cyberbrillen ganz aus dem Leben und der Realität verabschieden? Wer bestimmt in welchen virtuellen Welten sie unterwegs sein werden? Abschottung von der Umwelt und den Nachrichten, die ja in den letzten Jahren nicht unbedingt besser werden, jedenfalls ergibt sich der Eindruck.

Ja, heute habe ich Sie mit Fragen überhäuft und keine Lösung im Gepäck.

Freue mich, wenn Sie die ein oder andere Antwort zum Maskenball im www für mich hätten.

Heute mal wieder anders

Herzlichst

Manuela Bach : eyewall



4 Kommentare zu “Selfie, Selfie in der Hand…”

  1. Liebe Manuela,
    wunderschön finde ich die Selfies, die man nur für sich macht. Mit den Augen eines anderen (der Kamera) betrachtet, sich mal selbst anschauen, und annehmen. All das Schöne finden und sich selbst „Gesichter ziehen“, die Zunge rausstrecken, sich auslachen, sich anlachen. Das ist das Wunderbare am Zeitalter der Smartphones.
    Liebe Grüße
    Michaela

    1. Manuela Bach sagt:

      Hallo Michaela,
      da wäre das Wort Selfie in seinem Kern getroffen, einfach für sich selbst.
      Schöne Anregung.
      Herzlichst
      Manuela

  2. ..und der Unterschied zum Maskenball im Realen, ist der, dass man die Reaktionen unmittelbar sehen kann, sie begreifbar sind. Im virtuellen Raum ist das ungleich schwieriger, da die direkte Begegnung fehlt.
    Dessen sind sich viele nicht bewusst!

    1. Manuela Bach sagt:

      …die Entäuschung, wenn man sich dann im der realen Welt begegnet ist oft groß.
      Manuela

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