Gesellschaft | Gastbeitrag | 0 Kommentare

Raus aus dem Mittelmaß!

Einfach. Nicht normal.
Raus aus dem Mittelmaß.

Internet und Social Media machen es möglich: Jeder kann ein Star sein, kann sich selbst als „Brand“,als Marke etablieren.
Wissen, das in Zukunft auch für normale Menschen immer wichtiger wird.
Ob bei Insta, Snapchat, Facebook oder in diversen Foren – wir können ein öffentliches Bild von uns erschaffen, das nicht der Wahrheit entspricht.
Ein zweites Leben wird uns sozusagen geschenkt.
„Fake it `til you make it“ ist so attraktiv wie nie.

Einfach nicht normal? Oder: Warum ist Mittelmäßigkeit nicht das Maß aller Dinge?
Ach, wäre ich manchmal etwas konservativer im Kopf und bequemer im Gemüt.
Alles könnte so schön und einfach sein! Kennen Sie diesen oder ähnliche Gedanken?

Warum nur weigern wir uns, auf der gemütlichen Couchgarnitur liegen zu bleiben und belgische Pralinen oder Chips zu naschen?
Dabei die Lieblings-Playlist zu hören oder non-stop die Lieblingsserien zu streamen?
Wäre es nicht besser, im häuslichen Frieden zu fristen, anstatt in die Welt hinaus zu stürmen, um sie zu verändern? Keine Experimente, keine Revolutionen, einfach auf hohem Niveau zu privatisieren? Rein theoretisch natürlich.

Wenn ich mir die Antworten gebe auf diese Fragen, höre ich meine innere Stimme immer nur sagen:
Nein, das wäre nicht besser. Auf keinen Fall!
Da haben wir’s wieder: der Mensch will immer das, was er nicht hat.
Und was heißt schon normal? Das, was einem angeboren ist? Was statistisch als häufigste Option in einem Ranking nachprüfbar ist?
Ein errechneter Mittelwert als eine Idealvorstellung für unser Handeln, unsere Kommunikation oder unsere Gedanken?
Wer kann von sich selbst sagen, dass er „völlig normal“ ist?

„Normal genommen“, könnte die Antwort hierzu lauten, dass das normal ist, was die meisten anderen als normal betrachten und bewerten und dies zum Ausdruck bringen.
Eine Motivation zum Bestreben, völlig normal zu sein, könnte der Wunsch sein, um keinen Preis aufzufallen, aus der Masse hervorzustechen und dennoch als besonderes Individuum identifiziert und erkannt zu werden.

In unserer Gesellschaft, die einerseits werbewirksam den Individualismus bedient und die die Entwicklung des social Web andererseits im Gemeinschaftssinn erlebt, stellt sich mir zum „Normalsein“ eher die Frage, wie ich dem Festgefahren-Sein entkommen kann.

Als Kinder passen wir uns der Gesellschaft an, indem wir imitieren: Eltern, Lehrer, Freunde.
Die meisten von uns sind mit dem zufrieden, was sie im Laufe ihres Lebens lernen und damit, es gut zu machen. Viele Menschen sind weniger damit beschäftigt, das normale Repertoire, seiner Erfahrungen, seine Werte und Visionen zu erweitern.

Im Mittelmaß ist Anpassung die Norm, effizientes, außergewöhnliches Handeln eher verpönt.
Wenn in Mädchengruppen sich ein Mädchen in den Mittelpunkt stellt und zeigt, dass es mehr weiß, dann erhält es oft eine negative Reaktion. Und wenn ein Mädchen dann die Kühnheit besitzt, anderen Mädchen – und Menschen – zu sagen, was zu tun ist, dann wird es als herrschsüchtig bezeichnet. Diese Muster und gedanklichen Gefängnisse sind auch heute noch „völlig normal“.

Auf der Ebene der Mittelmäßigkeit herrscht überall auf der Welt dieselbe Moral.
Je nachdem, was gerade anliegt, bestärken, akzeptieren, unterstützen sich die Mittelmäßigen einander oder täuschen und verhalten sich zurückweisend, schaffen schlimmstenfalls Situationen des Mangels und der Enttäuschungen.

Um Virtuosität zu erreichen, die uns den Zugang zu dem Mehr im Leben erschließt, braucht es Mut, Klarheit und Toleranz
sich selbst und anderen gegenüber.
Wir suchen uns selbst aus, auf welcher Ebene wir leben und es steht uns völlig frei, diese jederzeit zu verlassen.
Zur Navigation unseres Weges brauchen wir drei Dinge:
Akzeptieren, wie wir momentan sind.
Akzeptieren, wer oder was wir nicht sind.
Akzeptieren, dass wir für unser Handeln UND die Konsequenzen daraus, alleine die Kraft haben und die Verantwortung mit Freude dafür tragen.

Wenn wir herausfinden, wo wir genau feststecken, sind wir bereits aus dem „völlig normalen“ Mittelmaß auf dem Weg zu unserer besten Zeit.
Und das ist das Normalste der Welt.

Die Kolumnistin:
Ulrike Berlenbach. Als Consultant für Marken und Social Communivation, Executive Coach und Business Trainer
berät und arbeitet die Wahl-Berlinerin am liebsten mit nachhaltigen Produkten und ehrlichen Unternehmern.



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