Gesellschaft | Manuela Bach | 0 Kommentare

Wortwahl

Heute geht es um Begrifflichkeiten in unserem Alltag. Um unsere Wortwahl.
Vielleicht klingt es nach old school, doch ich würde dich gerne gedanklich an meinen Überlegungen teilhaben lassen.
Als ich auf einem meiner morgendlichen Spaziergänge unterwegs war, dachte ich über die Veränderung unserer Sprache nach.
Nein, nicht unbedingt dieses Denglisch, sondern auch wie wir etwas benennen.
Wir tanken auf.

Wenn du dir diesen Satz mal richtig durchdenkst, bezeichnest du dich in dem Moment als eine Maschine.

Autos werden aufgetankt, Schiffe, Traktoren und Flugzeuge etc.
Wäre es nicht wesentlich wertschätzender für den Menschen ein anderes Wort zu benutzen?
Zum Beispiel: Wir erholen uns? Wir erfrischen uns? Das wäre auf jeden Fall nicht so maschinell.
Weiter geht es in meiner Überlegung.

Wir nehmen uns eine Auszeit.

Sitz -Platz- Aus – ja so spreche ich schon mal mit meinem Hund.

Aus- und einschalten steht eher für elektrische Geräte wie Fernseher, Computer, Radio, Licht oder ähnliches. Freizeit es ist die Zeit nur für mich, da steckt auch Verheißung drin. Keiner hat Zugriff auf diese, meine Zeit.
Oder das Wort Ferien? Wer die Bezeichnung Ferien von „früher“ kennt, weiß wieviel Verheißung in diesen wenigen Buchstaben steckte. Denn in den Ferien war vieles möglich, und einige werden sich erinnern, dass sie nach den Ferien ganz anders zu ihren Freunden zurückkamen, als sie gegangen waren. Wäre nicht auch Sommerfrische mal wieder aus der Schublade zu holen? Auch dieses Wort klingt vielversprechend, findest du nicht auch?

Heute buchen wir Trips, dieses Wort war früher komplett mit LSD gekoppelt. Da warf man einen Trip ein und halluzinierte vor sich hin. Vor nicht allzu langer Zeit hieß es Ausflug. Auch dieses Wort ist, wenn man es richtig betrachtet, wunderschön.

Ausflug hat was von Flügel verleihen, Vogelperspektive, Freiheit und Leichtigkeit.

Neue Bilder im Kopf und losgelöst von allem Alltäglichen.
Sagen wir zu Freunden: „Lasst uns einen Ausflug machen“, da schwingt doch gleich ein ganz anderes Gefühl mit. Probiere es doch mal aus.
All das fehlt mir bei dem Trip.

Gerade als schreibender Mensch weiß man um die Wirkung von Worten. Deshalb war es mir ein Anliegen, einfach mal darüber nachzudenken/zu schreiben, dass wir alltägliche Formulierungen für uns Menschen mittlerweile häufig aus der technischen Welt gebrauchen. Ich finde es sehr irritierend und auf eine gewisse Weise menschenverachtend.
Vielleicht fällt es mir auch deshalb auf, weil so vieles derzeit technisiert wird, und Roboter immer mehr zum Thema werden. Ist es nicht gerade dann wichtig eine Trennungslinie zu ziehen?

Wir haben die Wahl, die Wortwahl.

Wie heißt es im Talmud: ….achte auf deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.

Einfach mal anders.

Manuela: eyewall



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